„Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung, und sie gedeiht mit der Freude am Leben.“

(Thomas von Aquin)

Nach der Industriegesellschaft kommt die Gesundheitsgesellschaft.

Sie bestimmt künftig unsere individuellen, sozialen, beruflichen und wirtschaftlichen Verhältnisse. „Gesundheit ist nicht mehr nur Ergebnis anderer gesellschaftlicher Prozesse – sie ist selbst zur treibenden Kraft geworden“, schreibt Ilona Kickbusch, die Architektin der Ottawa Charta.

Gesundheit wird künftig zum Maßstab für Fortschritt in Wirtschaft und Gesellschaft. Die St. Leonhards-Akademie sieht Gesundheit im Kontext von Wasser, Ernährung, Berufung und Wirtschaft als einen Entwicklungsprozess, der zu einem erneuerten Gesundheitssystem führt.

Der Arzt dient der Gesundheit des einzelnen Menschen und der gesamten Bevölkerung.

Die Normen der helfenden, pflegenden und heilenden Berufe verpflichten sie zu sozialer Verantwortlichkeit. Die kommunale Gesundheitsförderung wird künftig zum Ort, wo Fachkompetenz und soziales Gewissen leben und wo eine soziale Gesundheitsversorgung sichergestellt werden muss. Das Präventionsgesetz eröffnet dafür neue Perspektiven und die Gemeinden kooperieren künftig mit den Krankenkassen. Die entsprechende Rahmenempfehlung der kommunalen Spitzenverbände und der gesetzlichen Krankenversicherung wurde 2013 beschlossen. Das Präventionsgesetz errichtete eine Nationale Präventionskonferenz (NPK), die im Februar 2016 Bundesrahmenempfehlungen zur Gesundheitsförderung in Lebenswelten und Betrieben verabschiedet hat.

Nach dem Stand der gesundheitswissenschaftlichen Erkenntnisse sind folgende Aspekte für die Gesundheit der Menschen entscheidend: ein stabiles Selbstwertgefühl und eine gute (Aus)Bildung, ein positives und aktives Verhältnis zum eigenen Körper, die Fähigkeit zu Freundschaft, sozialen Beziehungen und die Integration in eine soziale Gemeinde sowie eine intakte Umwelt und gesundheitsdienliche ökologische Verhältnisse, eine sinnvolle Arbeit und gute Arbeitsbedingungen und eine lebenswerte Gegenwart und die Zuversicht auf eine lebenswerte Zukunft. Wer mit sich selbst und mit der Welt im Reinen ist, stärkt seine Gesundheit besser als alle Medizin.

Die Befähigung der Menschen, gesund leben und ihre Lebenswelt gesundheitsförderlich gestalten zu können, formuliert ein Bildungsziel, das die St. Leonhards-Akademie verfolgt: es geht vor allem um individuelle Gesundheitskompetenz, eine neue Sozialmedizin und eine kommunale Gesundheitsförderung, also um gesunde Städte und Dörfer. Diese Themen sind Kernanliegen der gemeinnützigen St. Leonhards Akademie. Das Gesundheitssystem wird daher zum Schlüssel für die Salutogenese der gesamten Gesellschaft. Es entscheidet maßgeblich darüber, ob die Gesellschaft ihren inneren Frieden findet und zusammenhält oder ob sie in gruppenegoistische Subsysteme mit destruktiver Konkurrenz zerbricht. Die Zukunft gehört einer Gemeinwohlökonomie, die das Gesundheitssystem durchdringt und die soziale Marktwirtschaft zur gesunden Marktwirtschaft weiter entwickelt.

Salutogenese / Kohärenzgefühl

„Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt:

Dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen.

Füreinander Sorge zu tragen, Ganzheitlichkeit und ökologisches Denken sind Kernelemente bei der Entwicklung von Strategien zur Gesundheitsförderung.“

(Ottawa Charta der Weltgesundheitsorganisation)

Was ist eine Präventionskette und wie baut man sie auf?

Ein Film über die Erfahrungen mit integrierten Strategien zu Gesundheitsförderung und Prävention in kommunalen Settings

Dr. Antje Richter-Kornweitz, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V.

Expertinnen und Experten aus zehn Bundesländern berichten im Film von eigenen Erfahrungen bei der Entwicklung einer integrierten kommunalen Strategie für Gesundheitsförderung und Prävention. Sie setzen auf multiprofessionelle, übergreifende Zusammenarbeit in Form einer Präventionskette. Ihr Ziel ist, allen Kindern und Jugendlichen ein gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen und die erforderlichen Bedingungen in gemeinsamer Verantwortung zu gestalten. Was hat sie dazu bewegt? Was hat sie motiviert? Was ist aus ihrer Sicht zu beachten? Es kommen Fachkräfte aus dem Gesundheits-, Jugendhilfe-, Sozial- und Bildungsbereich sowie Eltern zu Wort.

… und wie unterstützt das Projekt Kommunen beim Aufbau von Präventionsketten?
Das Projekt „Präventionsketten in Niedersachsen – Gesund aufwachsen für alle Kinder!“ setzt genau hier an. Es unterstützt niedersächsische Kommunen jeweils über einen Zeitraum von drei Jahren finanziell sowie durch Beratung, Begleitung und Weiterbildung beim Auf- und/oder Ausbau von Präventionsketten. Ziel des Projektes ist, die umfassende Teilhabe von Kindern bis zum Alter von zehn Jahren unabhängig von ihrer sozialen Herkunft an Angeboten und Maßnahmen öffentlicher und freier Träger und Initiativen zu fördern.

In der sechseinhalbjährigen Projektlaufzeit bis Ende 2022 sollen in bis zu 38 niedersächsische Kommunen Präventionsketten in gemeinsamer Verantwortung der zuständigen Stellen (Bildung, Soziales, Gesundheit, Jugend) auf- bzw. ausgebaut werden. Antragsberechtig sind die Landkreise und die kreisfreien Städte.