Heilpraktikerin, Ayurvedatherapeutin, Masseurin, med. Bademeisterin

Als ich im Bio-Thermalhotel Falkenhof meine Naturheilpraxis eröffnete, kam ich zum ersten Mal mit Stuten- und Ziegenmilchprodukten in Kontakt. Ursprünglich aus einem Bauernhof kommend, waren mir naturbelassene Produkte nicht fremd. Ebenso, dass alles was man erzeugt, auch wieder Verwendung findet. Der Gedanke regional und saisonal, war früher in der Landwirtschaft nichts Neues, natürlich bevor es zur Massentierhaltung und Monobetrieben kam. Viele Gemüse, die eingelegt oder fermentiert wurden, waren beste Vitaminlieferanten in der kalten Jahreszeit. Man hatte also immer hochwertige regionale Nahrungsmittel zur Verfügung.
Mittlerweile werden viele Lebensmittel auf dem Markt angeboten, die durchaus zurecht die Bezeichnung Superfood verdienen. Leider müssen sie häufig aus dem Ausland importiert werden. Dabei ist in den eigenen Gefilden Gleichwertiges zu finden.

Stutenmilch im Lauf der Geschichte
Immer mehr tritt hier die Stutenmilch in den Fokus. Dabei ist ihre gesundheitsfördernde Wirkung schon über Jahrtausende bekannt. Die Mongolen ernährten sich auf ihren Raubzügen durch die Steppe mit der Milch der Stuten und erkannten nebenbei ihre stärkende Wirkung auf das Immunsystem. Alexander der Große empfahl seinen Kriegern Stutenmilch zu trinken, denn dadurch würden sie unbesiegbar. Und die Pharaonen nutzten sie nicht nur zur Schönheitspflege, sondern erkannten auch ihre positive Wirkung auf Hautprobleme.

Lange Zeit geriet sie in Vergessenheit. Ihr Potential, gesundheitlichen Problemen entgegen zu wirken, wurde erst wieder im 19. Jahrhundert in Russland erkannt.
Dort gab es bereits Sanatorien für Lungen- und Verdauungserkrankungen, die ihre Patienten mit Stutenmilch versorgten. Sie hatten erkannt, dass der Genesungsprozess wesentlich schneller vonstatten ging, als nur mit herkömmlichen Lebensmitteln.

Im zweiten Weltkrieg wurden russische Verwundete mit Stutenmilch in reiner und vergorener Form in den Lazaretten versorgt. Ein deutscher Arzt, der im Krieg in russische Gefangenschaft geriet, hatte das Glück im Gefangenlager mit Stutenmilch versorgt zu werden. Er erkannte ihre hilfreiche Wirkung und schwor sich, wenn er das Lager lebend verlassen würde, diese Erkenntnisse in Deutschland bekannt zu machen. Nach seiner Rückkehr 1959, gründete er das erste Stutenmilchgestüt und verkaufte die dort gewonnene Milch.

Ziegenmilch – altes Volksheilmittel
Auch die Ziegenmilch hat eine lange Geschichte. Sie war die erste Viehmilch, die der Mensch in seiner Geschichte zu sich genommen hat.  Hippokrates verabreichte seinen Patienten Ziegenmilch als Heilmittel. Für Hildegard von Bingen war Ziegenmilch unerlässlich für eine gesunde Küche. Und auch Paracelsus war ihre heilsame und verträgliche Wirkung nicht fremd. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurden in der königlichen Badeanstalt Wildbad Kreuth Trinkkuren mit Ziegenmolke verordnet.
Zwischenzeitlich wurde weniger Ziegenmilch getrunken, was ihrem teilweise strengen Geschmack geschuldet ist. Dieser „Bock-Geschmack“ entsteht durch die Caprinsäure, die sich wiederum aber erst bildet, wenn die Milch nicht frisch verarbeitet wird. In den 50ziger Jahren wurden die Ziegen meist in kleinen Ställen gehalten, die im Winter noch dazu fest verschlossen waren. Die Ziegenmilch nahm den so entstandenen Stallgeruch sehr schnell auf, was zusätzlich ihren Geschmack veränderte.
Heutzutage wird draußen oder in einem luftigen Stall gemolken.

 


Was macht nun die Stutenmilch so besonders?
Ganz einfach kann man sagen, dass ihre Bioverfügbarkeit sehr hoch ist, und ihre gesunden Inhaltsstoffe so schnell in den Zellen zur Verfügung stehen.


Die Stutenmilch ist in ihrer Zusammensetzung der Muttermilch am ähnlichsten. Verantwortlich hierfür sind ihre Proteine, die mit den Proteinen der Muttermilch mit bis zu 66% identisch sind.

Sie hat einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, den sogenannten guten Fetten, die Bestandteil der Zellmembrane sind. Auch unser Gehirn besteht zum Großteil aus diesen Fetten.

Sie hat einen hohen Laktosegehalt, was sich zum einen gut auf die Darmflora und die Darmbewegung auswirkt, und auch bei Laktoseintoleranz zum Teil interessanterweise gut vertragen wird.

Ihr Mineralstoffgehalt ist sehr hoch und zu erwähnen ist auch die antibakterielle Wirkung. Zuständig dafür sind verschiedene Komponenten, wie das Lactoferrin und Lysozym. Unter anderem auch das Immunglobulin A.

Der Magen wird zur Produktion von Salzsäure angeregt, welche wiederum die Enzyme der Bauchspeicheldrüse in Gang setzen. Dadurch werden die Fette der Stutenmilch besser verdaut und verstoffwechselt.

Auch nicht zu verachten ist ihr hoher Gehalt an Vitamin C und Vitamin D. So kann man sie durchaus als natürlichen Lieferanten für diese Vitamine ansehen.

Wie steht’s mit der Ziegenmilch?
Auch die Ziegenmilch bietet eine Vielzahl an hervorragenden Inhaltstoffen.


Eiweißsubstanzen wie Globulin und Albumin helfen dem Körper bei der Regulierung seines pH-Wertes, dienen als Transportmittel für wasserunlösliche Stoffe und binden Wasser in der Blutbahn.

Der Kaseingehalt ist geringer als bei der Kuhmilch. Das Kasein (Alpha-s1-Kasein) ist auch als Allergen bekannt, deshalb wird die Ziegenmilch auch besser vertragen.

Die essenziellen Aminosäuren der Ziegenmilch sind eine gutes Entgiftungsmittel bei Ausleitungskuren.

Sie enthält viele Spurenelemente und Mineralien, ebenso hochwertige Vitamine.

Ihre Fette sind leichtverdaulich und werden besser aufgenommen, da ihre Fettkügelchen kleiner sind und nicht so leicht aufrahmen.

Und auch die Ziegenmilch hat eine sehr gute Bioverfügbarkeit.

Stute/Ziege kombiniert = potenzierte Kräfte
Immer mehr Molkereien stellen mittlerweile Produkte aus diesen beiden wunderbaren Milchsorten her. Wobei hier das Mischungsverhältnis nicht ganz unwichtig ist.

Die Stutenmilch hat kein Kasein und muss dementsprechend mit einer zweiten Milchsorte gemischt werden. Das daraus entstehende „Abfallprodukt“ – die Molke, ist ein hochwertiges Lebensmittel, das man als kleine Trinkkur oder natürlichen Eiweißlieferanten, auch vor sportlicher Betätigung, gut einsetzen kann.

Nach schweren Erkrankungen kann man die Molke-Mischung aus Stuten-/Ziegenmilch, gut zur Unterstützung einsetzen, um schneller wieder zu Kräften zu kommen und die Regenerationsprozesse anzukurbeln.

Hier noch zwei Smoothierezepte mit Stuten-/Ziegenmolke 330 ml

Birnen-Smoothie
Eine Birne kleingeschnitten, ein TL frischgepresster Bio-Zitronensaft, für den Biss etwas Hirseflocken, eventuell etwas Honig oder Kokosblütensirup, eine Flasche Stuten-Ziegenmolke, Minz- und oder Melissenblätter und noch etwas Leinöl – alles gut mixen und genießen.

Scharfer Tomaten-Basilikum-Smoothie
Eine große Tomate kleingeschnitten, eine ¼ rote Paprika kleingeschnitten, Basilikumblätter, Rucola oder Feldsalat, Chiliflocken, etwas Tomatensaft, eine Flasche Molke, etwas schwarzer Pfeffer, Kräutersalz alles gut mixen und eventuell obendrauf etwas geriebener Parmesan und Basilikumblätter – fertig!

Fazit:
Stuten- und Ziegenmilch verbinden sehr gute Inhaltsstoffe oder man kann auch sagen, sie ergänzen sich perfekt. Da ich sehr pragmatisch veranlagt bin, finde ich das Integrieren von gesunden Lebensmitteln in den Alltag immer sehr hilfreich. Alles, was man ohne großen Stress in die tägliche Routine einbauen kann, wird meiner Erfahrung nach auch längerfristig umgesetzt.

Und wenn es dann auch noch schmeckt – perfekt!

Man kann also getrost sagen, mit dem Einsatz von Stuten- oder Ziegenmilch oder natürlich mit beiden Milchsorten, haben wir ein natürliches, regionales Superfood an der Hand, mit dem man eine Vielzahl von Beschwerden positiv beeinflussen kann. Ganz einfach indem man sie regelmäßig verzehrt.

Zu den Beschwerden gehören:


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Rechtliche Hinweise:
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