Heilpraktikerin

Einführung


Wenn wir unangenehme Gefühle erleben, z.B. Zurückweisung oder Verlust, drücken wir sprachlich häufig Schmerz aus. „Ich fühle mich verletzt“ oder „du tust mir weh“ sind bekannte Redewendungen, über die wir meistens nicht in Bezug auf den Körper nachdenken. Beispielsweise ein „das schlägt mir auf den Magen“ zeigt einen Gefühls-Organ-Bezug, der in der ganzheitlichen Medizin mittlerweile ursächlichem Heilen zugrunde liegt. Die „feinstofflichen“ Gefühle, die Beziehungen zu unseren Mitmenschen und unserer Umwelt, sind untrennbar verbunden mit unserem körperlichen Wohlergehen. Und umgekehrt. Musik ist Schwingung, ist Frequenz. Auch körperliche und emotionale Blockaden sind letztendlich verdichtete Schwingung – so wie alles in dieser Schöpfung.


Studien zeigen den Zusammenhang zwischen Gefühlen und Schmerzen, da dieselben Gehirnregionen aktiviert werden (1). In einer anderen Studie konnte gezeigt werden, dass weniger Schmerzen empfunden werden, wenn leise Geräusche gehört werden. Die entspannende Rolle der Musik ist schon lange bekannt. Ich möchte diese Studien hier zusammenführen und die Möglichkeiten für die eigene Entspannung und Schmerzlinderung auf emotionaler und körperlicher Ebene zeigen – und den Nutzen für die therapeutische Arbeit.


Entzündete Pfoten und Geräusche


Chinesische Forscher veröffentlichen im Fachjournal Science die „Musik-Schmerzlinderungs-Gehirn-Studie“ (2). Wissenschaftler spielten Mäusen mit entzündeten Pfoten entweder Musik, Rauschen oder Störgeräusche vor. Dabei berührten sie die Mäuse an den Pfoten und steigerten die Intensität, bis die Mäuse die Pfoten zurückzogen. Nachdem die Tiere etwa 20 Minuten lang der Musik oder den Geräuschen ausgesetzt waren, stieg die Schmerzschwelle und sie hielten kräftigere Berührungen aus. Die Musik musste lauter als die Umgebungsgeräusche sein, aber nur geringfügig. Zu laute Töne können ihrerseits Stress auslösen. Die Forscher fanden mit ihren Messungen der Gehirnströme heraus, dass durch die leisen Geräusche bzw. die Musik Nervenbahnen gehemmt wurden, die Hörrinde und den Thalamus verbinden. Im Thalamus werden alle Sinneseindrücke – also von außen und aus dem Körper – gesammelt und ausgefiltert.


Schmerz und Angst beim Zahnarzt


Schon seit vielen Jahren setzen manche Zahnärzte Musik vor und während der Behandlung ein, um die Ängste zu lindern und auch um die Schmerzen, die während der Behandlung auftreten, zu dämpfen. Hier haben wir also körperliche und emotionale Ängste in Kombination. Beides lässt sich tatsächlich messbar senken. Insbesondere die Musikberieselung vor der Behandlung wirkt angstlösend, lässt sich aber auch während der Behandlung nachweisen. (3)


Leider setzen immer noch zu wenig Zahnärzte auf diese einfache und effektive Methode. Musik im Wartezimmer könnte viel zur Entspannung beitragen. Auch Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher oder das Rauschen von Wasser wirken entspannend. Als Patient könnten wir schon auf dem Weg zum Arzt oder ganz allgemein unangenehmen Eingriffen bzw. Situationen Musik hören, und auch für Kinder wäre das eine fantastische Möglichkeit, um Stress runterzufahren.


Weitere Auswirkungen von Musik


Musik und Singen wird in der Behandlung von Frühgeborenen eingesetzt, erhöht dort den Saugreflex, verbessert den körperlichen Zustand und reguliert die Atemfrequenz. Selbst die Sauerstoffaufnahme steigt. Föten können ab dem 6. Schwangerschaftsmonat auf Musik reagieren und bewegen sich vermehrt.


Musik aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn, sorgt für verstärkte Dopaminausschüttung – und zwar ebenso wie Essen oder Sex. Musik aktiviert mehr Areale im Gehirn als das Hören von Sprache. Insbesondere aktiviert es Areale in beiden Gehirnhälften, so dass diese synchronisieren können. Diese Effekte verbessern das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten, selbst in der Traumatherapie wird mit der Synchronisation der beiden Gehirnhälften gearbeitet (EMDR).


Bei Alzheimer Patienten kann Musik die Gedächtnisausfälle zumindest teilweise umgehen. Wo viele Erinnerungen weggebrochen sind, sind die Liedertexte noch da und gemeinsames Singen mit den Senioren erhöht die Lebensqualität deutlich.


Bei Schlaganfallpatienten, bei denen das Sprachzentrum beeinträchtigt ist, kann das Singen noch funktionieren. So kann Kommunikation stattfinden, lösen sich gleichzeitig auch Stress und Ängste.


Seit ca. 2007 ist Musik über Kopfhörer bei Sportwettkämpfen verboten, da die Musik leistungssteigernd wirkt, die Anstrengung weniger wahrnehmbar macht und hilft, über die eigenen Grenzen zu gehen. Musik kann leistungssteigernd wie Doping sein. Aber privat dürfen wir das natürlich nutzen und viele joggen mit Kopfhörern durch die Gegend.



Musik als Therapeutikum


Wie können wir die Musik für uns am besten einsetzen? Die Musik kann Abwehr- oder Vermeidungsstrategien unseres Gehirns umgehen – und zwar sanft und liebevoll. Unsere Körperspeicher und Gehirnareale sorgen oft für ein langanhaltendes Erleben von alten Verletzungen. Klänge, Frequenzen, Musik… Wo Sprache nicht hinkommt, vielleicht auch schlicht, weil man im Alter der Verletzung noch gar kein ausgereiftes Sprachzentrum hatte, kann Musik berühren.


Burnout- oder Stresspatienten können Musik zu Hause zur Entspannung und Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten einsetzen. Hier macht es Sinn, Musikstücke für bestimmte Situationen auszusuchen, beispielsweise ein aufmunterndes oder pushendes Morgenlied oder Musikstück, Entspannung vor dem Einschlafen, ein unterstützendes Lied für Aktivitäten – oder gleich eine Playlist. Wenn jemand eine Antriebshemmung hat, durch Motivationslosigkeit seinen Alltag nicht in den Griff bekommt, kann ein Musikstück oder eine Playlist über die Blockade hinweghelfen.


Chronische Krankheiten sind oft mit Hoffnungslosigkeit verknüpft. Hier kann Musik – auch aktiv durch Instrumente oder Gesang – wieder Sinn und ggf. auch eine Anbindung an Gemeinschaft sein. Die Motivation für Therapien kann durch Musik unterstützt werden.


Das Ende des Arbeitstages kann mit einem Musikstück begangen werden. Das Gehirn schaltet nach wenigen Tagen auf Entspannung um, wie wenn ein Schalter betätigt wird. Sport, Hausarbeit, gemeinsame Zeit mit Partner oder Familie – Musik entfaltet Motivation, Miteinander, Offenheit und je nach Musikstil Entspannung oder Spaß.


Wer beruflich über Schreibblockaden oder einen allgemein „schwierigen 1. Schritt“ in eine Aufgabe klagt, kann mit Musik ein Einstiegsritual kreieren. Es gibt im Internet zahlreiche Musikstücke, die die Konzentration erhöhen, hier findet jeder etwas. Dadurch wird der Stress beim Arbeiten oder Lernen abgefedert. Dies gilt natürlich nicht für alle, aber ein Ausprobieren schadet ja nicht.


Nachdem Handysucht und social media zu einem immer größeren Problem werden und die Abhängigkeit einer Drogensucht entspricht, kann als Ersatzlösung Musik eingesetzt werden. Natürlich besteht auch hier Suchtpotential, aber wenn ich die Auswahl zwischen negativen Nachrichten oder entspannender oder aufheiternden Musik habe, würde ich die Musik nehmen. In dieser Richtung gibt es sicher noch viele Beispiele, sei kreativ.


Wichtig ist der individuelle Musikgeschmack. Der eine mag Klassik, der andere geht bei Klassik die Wände rauf. Heavy Metal oder Rockmusik, Country oder Volksmusik, instrumental oder textbasierte Musik… Überall gibt es positive Strömungen, die Menschen in ihre Kraft oder auch in Kontakt mit unterdrückten Gefühlen bringen, die positiv in Kraft umgesetzt werden können. Spirituelle oder religiöse Musik können bei einigen hilfreich wirken und auch die Meditation unterstützen. Manche Sanskritmantren können durch ihre Schwingung heilsam sein. Die Bandbreite ist riesig. Wer mal im bayerischen Brauchtum unterwegs war, kann mit Volksmusik an gute Zeiten anknüpfen. Andere brauchen bestimmte Texte, die sie in Kontakt mit sich bringen und Verarbeitung ermöglichen. Da auch hier wie bei einer Zwiebel verschiedene Schichten vorhanden sind, sollte die Musik immer wieder angepasst werden.


Fazit


Es hat einen Grund, dass unsere ältesten Vorfahren schon Musik und Rhythmus erlebt haben. Naturvölker singen, trommeln und tanzen. Musik – Schwingung – wird schon seit Jahrtausenden als Medizin eingesetzt. Jetzt wird sie von der Wissenschaft wieder entdeckt und untersucht. Und Überraschung – das alte Wissen ist richtig gut!


Es ist eine wunderschöne Methode, Heilung und Entspannung für Körper, Geist und Seele zu erleben. Viele hören Musik nebenbei, ohne zu wissen, welches Potential hier schlummert. Wer noch ein bisschen weitergraben möchte, dem sei diese Arte-Doku https://www.youtube.com/watch?v=oz76E_UOvVw  empfohlen. Und auch dieser Artikel bei Scinexx https://www.scinexx.de/dossier/die-macht-der-musik/ ist lesenswert.

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